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Tierschutz

Einzug eines Tierschutzhundes: Tipps für die ersten Wochen

Glücklicher Hund schläft im Wohnzimmer

Ein Hund aus dem Tierschutz bringt unglaublich viel Freude und ist eine Bereicherung für das Leben. Gleichzeitig bedeutet der Einzug in ein neues Zuhause für das Tier jedoch eine **enorme Umstellung**. Plötzlich verändern sich alle Gerüche, Geräusche, Menschen und Abläufe. Viele Hunde haben eine lange Reise hinter sich oder kommen aus reizarmen Tierheimen direkt in das städtische Leben.

Um deinem neuen Familienmitglied den Start so angenehm wie möglich zu machen, gilt in den ersten Wochen vor allem eine goldene Regel: **Weniger ist mehr.**

1. Das Ankommen (Dekompressionsphase)

Wenn ein Tierschutzhund einzieht, steht sein Stresslevel (Cortisolspiegel) physiologisch bedingt unter der Decke. Der Hund braucht Zeit, um diesen Stress abzubauen – man spricht hier von der Dekompressionsphase.

Erwarte in den ersten Tagen keine Höchstleistungen im Gehorsam und verlange nicht, dass der Hund sofort stubenrein ist oder deine Hausregeln versteht. Gib ihm stattdessen einen festen, geschützten Rückzugsort (z. B. ein weiches Hundebett in einer ruhigen Ecke), an dem er vollkommen ungestört schlafen kann.

„Ein Tierschutzhund braucht in den ersten Tagen vor allem Zeit zum Schlafen. Schlaf ist das beste Werkzeug des Körpers, um Stresshormone abzubauen.“

2. Reize minimieren

Es ist völlig verständlich, dass du deinen neuen Begleiter all deinen Freunden und Familienmitgliedern zeigen möchtest. Doch für den Hund ist das in den ersten ein bis zwei Wochen purer Stress.

  • Kein Besuch: Vermeide in den ersten 10 bis 14 Tagen Besuch von Freunden und Familie. Der Hund soll erst einmal die Kernfamilie kennenlernen.
  • Kleine Spaziergänge: Gehe immer die exakt gleiche, kurze Runde. Neue Wege bedeuten neue Reize, die der Hund verarbeiten muss. Erst wenn er die Stammrunde entspannt läuft, kannst du den Radius erweitern.
  • Keine Hundezonen: Der Kontakt mit fremden Hunden an der Leine oder in lauten Freilaufzonen überfordert Tierschutzhunde am Anfang meist völlig.

3. Struktur und feste Rituale schaffen

Struktur schenkt Sicherheit. Wenn dein Hund lernt, dass der Tag vorhersagbaren Mustern folgt, kann er sich schneller entspannen.

Füttere ihn zu festen Zeiten, gehe zu ähnlichen Zeiten spazieren und etabliere Ruhephasen. Ein strukturierter Tagesablauf sorgt dafür, dass das Gehirn des Hundes nicht ständig auf „Habt-acht-Stellung“ sein muss, um zu erraten, was als Nächstes passiert.

4. Vertrauen statt Erziehung im Vordergrund

Konzentriere dich in den ersten Wochen auf den Beziehungsaufbau. Kuscheln (nur wenn der Hund es von sich aus anbietet!), gemeinsames Erkunden des Gartens oder der Wohnung und ruhiges Zusammensein sind jetzt wichtiger als „Sitz“, „Platz“ oder „Fuß“.

Lerne, die Körpersprache deines Hundes zu lesen: Gähnen, Lippenlecken oder Wegdrehen des Kopfes sind erste Beschwichtigungssignale und zeigen dir, dass dem Hund eine Situation gerade zu viel wird. Respektiere diese Grenzen.

Jeder Tierschutzhund bringt seine eigene Vorgeschichte mit. Manche sind von Tag eins an aufgeschlossen, andere brauchen Wochen, um sich überhaupt anfassen zu lassen. Hab Geduld, passe dein Tempo an deinen Hund an und freue dich über jeden noch so kleinen Fortschritt.

Isabella Barth

Isabella Barth

Ich bin leidenschaftliche Hundetrainerin, Hundeverhaltensberaterin und Hypnose-Coach in Wien. Ich unterstütze dich mit viel Herz, Verstand und gewaltfreien Methoden dabei, ein entspanntes und glückliches Team mit deinem Hund zu werden.

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