Hunde kommunizieren ununterbrochen mit uns – allerdings selten mit ihrer Stimme. Ihre eigentliche Sprache ist die Körpersprache. Sie nutzen feinste Signale des Körpers, der Ohren, der Augen und der Rute, um uns mitzuteilen, wie sie sich in einer Situation fühlen.
Besonders wichtig für ein harmonisches und gewaltfreies Miteinander sind die sogenannten **Beschwichtigungssignale** (im Englischen „Calming Signals“ genannt, geprägt von Turid Rugaas). Diese Signale nutzen Hunde, um Konflikte zu vermeiden, sich selbst zu beruhigen und ihrem Gegenüber zu signalisieren: *„Ich tue dir nichts, bitte sei auch friedlich zu mir.“*
Warum wir Beschwichtigungssignale kennen müssen
Wenn wir diese feinen Signale übersehen, kann das fatale Folgen haben. Ein Hund, der sich in einer Situation unwohl fühlt, sendet zunächst leise Beschwichtigungssignale. Werden diese ignoriert, muss er deutlicher kommunizieren: Er knurrt, fletscht die Zähne oder schnappt schließlich zu.
Wenn wir lernen, die leisen Signale zu lesen, können wir stressige Situationen frühzeitig auflösen – noch bevor der Hund lauter werden muss.
„Hunde flüstern, bevor sie schreien. Wer die feinen Signale der Körpersprache versteht, kann Missverständnisse im Keim ersticken.“
Die häufigsten Beschwichtigungssignale im Alltag
- Lippenlecken (Züngeln): Der Hund fährt sich kurz mit der Zungenspitze über die Nase oder die Lippen. Das passiert oft so schnell, dass man es leicht übersieht. Es zeigt leichte Verunsicherung oder Stress an.
- Blick oder Kopf abwenden: Wenn ein Hund von einem Menschen, einem Kind oder einem anderen Hund intensiv angeschaut wird, wendet er den Blick ab oder dreht den ganzen Kopf zur Seite. Das ist eine deeskalierende Geste – starres Anschauen gilt unter Hunden als unhöflich.
- Gähnen: Hunde gähnen nicht nur bei Müdigkeit. In stressigen Situationen (z. B. beim Tierarzt, bei einer Umarmung oder bei lautem Streit) dient Gähnen dem Stressabbau und der Beschwichtigung.
- Langsames Bewegen: Ein verunsicherter Hund verlangsamt sein Tempo extrem oder friert mitten in der Bewegung ein. Er versucht so, Hektik und Aggression aus der Situation zu nehmen.
- Sich abwenden / Den Rücken zukehren: Wenn ein aufgeregter Hund auf ihn zustürmt, dreht sich ein deeskalierender Hund oft einfach um und zeigt ihm das Hinterteil.
Wie du als Halter reagieren solltest
Sobald du bemerkst, dass dein Hund in einer Situation züngelt, gähnt oder den Kopf wegdreht, nimm den Druck raus. Gehe einen Schritt zurück, wende dich ab, vergrößere die Distanz zum stressenden Reiz oder bitte fremde Personen, den Hund nicht direkt anzustarren oder anzufassen.
Dein Hund wird merken, dass du seine Sprache verstehst und ihm Schutz bietest. Das stärkt das Vertrauen und eure Bindung enorm!