Kleine Welpen sind zuckersüß. Doch wenn sie im Spiel plötzlich ihre nadelspitzen Milchzähne in unsere Hände, Zehen oder Hosenbeine schlagen, hört der Spaß schnell auf. Viele Welpenbesitzer sind besorgt und fragen sich: *„Ist mein Welpe aggressiv?“*
Die Entwarnung vorab: Nein! Das Knabbern und Beißen ist für Welpen völlig normales Verhalten. Sie erkunden ihre Umwelt mit dem Maul (orale Phase) und müssen die sogenannte **Beißhemmung** erst erlernen. Hunde werden nicht mit einer eingebauten Beißhemmung geboren – sie müssen lernen, wie fest sie zubeißen dürfen, ohne dass es wehtut.
Wie Welpen untereinander lernen
Im Wurf lernen Welpen die Beißhemmung im Spiel mit ihren Geschwistern. Beißt ein Welpe seinen Bruder zu fest, quiekt dieser laut auf und bricht das Spiel ab. Der Beißer lernt: *„Ah, wenn ich meine Zähne zu fest einsetze, geht der Spaß vorbei.“*
Genau dieses Prinzip machen wir uns im Umgang mit dem Welpen zunutze.
„Beißhemmung lernen erfordert Konsequenz und Ruhe. Wilde Abwehrbewegungen oder lautes Schimpfen werden vom Welpen oft nur als spannendes Kampfspiel missverstanden.“
Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Alltag
- 1. Das Spiel sofort unterbrechen: Sobald die Zähne des Welpen deine Haut oder Kleidung berühren, gibst du ein kurzes, klares Feedback-Wort (z. B. ein hohes „Aua!“ oder „Schade!“) und brichst die Interaktion sofort ab.
- 2. Ignorieren (Social Penalty): Drehe dich weg, verschränke die Arme und ignoriere den Welpen für 10 bis 20 Sekunden. Schau ihn nicht an, sprich nicht mit ihm. Wenn er hartnäckig bleibt, verlasse kurz den Raum. Er lernt: *„Zähne an der Haut = Spielpartner weg.“*
- 3. Alternativen anbieten: Welpen haben ein natürliches Kautedürfnis, besonders während des Zahnwechsels. Biete ihm immer wieder geeignetes Kauspielzeug, Taue oder Kauknochen an. Wenn er in deine Hand beißen will, schiebe ihm sanft das Spielzeug ins Maul. Loben, wenn er darauf kaut!
- 4. Überdrehen erkennen: Wenn der Welpe völlig wild wird und sich gar nicht mehr beruhigen lässt („die wilden fünf Minuten“), ist er meist übermüdet. Welpen brauchen bis zu 20 Stunden Schlaf am Tag. Schicke ihn in seinen Welpenauslauf oder seine Box, um ihm beim Runterfahren zu helfen.
Typische Fehler vermeiden
Ziehe deine Hände nicht ruckartig weg (das weckt den Jagdinstinkt des Welpen) und spiele keine wilden Raufspiele mit deinen bloßen Händen. Nutze dafür immer ein Spielzeug als Puffer. Verzichte komplett auf veraltete Strafen wie das Zuhalten der Schnauze oder den Nackenschüttler – das zerstört nur das Vertrauen deines Welpen in dich.
Mit Geduld, Ruhe und Konsequenz lernt jeder Welpe die Beißhemmung innerhalb weniger Wochen!